Sparkasse Gießen lässt Geldautomat mit Anti-Corona-Lack beschichten

Die Sparkasse Gießen möchte ihren Kunden mehr Sicherheit bieten. Testweise sind Bereiche in der Stadtfiliale nun mit einem Mittel behandelt worden, das Viren und Bakterien monatelang abtötet.


Giessen.Der Griff zum Desinfektionsmittel ist in Pandemie-Zeiten längst zur Routine geworden. Dennoch bleibt mitunter ein mulmiges Gefühl. Vor allem von vielen Menschen genutzte Bereiche im öffentlichen Raum können zu Viren-Hotspots werden: der Griff des Einkaufswagens, die Haltestange im Bus oder eben das Bedienfeld am Geldautomaten. Die Sparkasse Gießen möchte hier ihren Kunden ein hohes Sicherheitsgefühl bieten. Nun sind in der Filiale Stadtmitte in der Johannesstraße ein Geldautomat sowie Service-Schalter, Kasse und ein Beraterbüro testweise mit einem Lack behandelt worden, der Viren und Bakterien nachweislich über Monate abtötet. Das eingesetzte Mittel hatte dabei einen überaus kurzen Lieferweg: Die patentierte Erfindung der Munditia Technologies GmbH, kurz Munditech, kommt ebenfalls aus Gießen. Geschäftsführer Dr. Klaus Schepers kann sich seit Ausbruch der Corona-Krise vor Aufträgen kaum retten.

Kanisterweise tragen Mitarbeiter der – exklusiv für die fachgerechte Auftragung von “Mundex” zuständigen – Firma “My Corona Care” das durchsichtige Mittel durch das Foyer der Sparkasse. “Der Gedanke, eine dauerhafte Lösung gegen die Verbreitung des Coronavirus über eine Benutzung von SB-Geräten zu finden, existiert schön länger”, erklärt Ilona Roth, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gießen und fügt mit Blick auf die Geldautomaten hinzu: “Jeder berührt diese Flächen mit den Fingern.”

Auch DFB unter Kunden

Zu Beginn der Pandemie sei ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet worden. Sämtliche Automaten sowie Kundenbereiche würden mehrmals täglich gereinigt und desinfiziert. Doch das allein genüge nicht. “Es kann theoretisch alles frisch geputzt sein und fünf Minuten später berührt jemand, der infiziert ist, diese Flächen”, gibt Roth zu bedenken. “Wir möchten den Menschen aber Sicherheit geben.” Über einen Kunden ist die Sparkasse auf den Lack von Munditech aufmerksam geworden, der fortan Besuchern die Angst vor Krankheitserregern ein Stück weit nehmen soll. Dabei ist “Mundex” kein klassisches Desinfektionsmittel, sondern eine hauchdünne Beschichtung, die verschiedenste Materialien keimfrei hält. “Im Grunde genommen ist es wie eine mechanische Desinfektion, die Viren und Bakterien abtötet”, so Chemiker Dr. Schepers. Der pflanzliche Inhaltsstoff wirke dabei “rein physikalisch”. Bei Kontakt mit der beschichteten Oberfläche wird die Zellmembran von Bakterien und umhüllten Viren – zu denen auch Corona gehört – zerstört. Dass dies funktioniert, hat kürzlich das unabhängige Hygienelabor Eurovir bestätigt. Innerhalb von acht Stunden nach der Lackierung wird demnach eine Virusreduktion von 99,99 Prozent erreicht. Dieses Ergebnis hat sich schnell herumgesprochen. “Die Corona-Krise wirkt wie eine Art Katalysator”, sagt Schepers über die fünf Jahre alte Erfindung seines Teams. Das Mittel war ursprünglich vor allem für den Einsatz im medizinischen Bereich bestimmt – etwa zur Eindämmung des sogenannten Krankenhauskeims (MRSA). Nachdem im März auch die Wirksamkeit gegen behüllte Viren bestätigt wurde, mehren sich die Aufträge aus den unterschiedlichsten Bereichen. Den Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Arbeitsplätze an mehreren Standorten beschichtet hat, nennt Schepers ebenso als Auftraggeber wie Friseure, Fitnessstudios oder Busunternehmen. Eine Bank gehörte bislang allerdings nicht dazu.

Zu Beginn der Testphase sind in der Sparkasse in der Johannesstraße nun Flächen mit erhöhtem Kundenkontakt – ein Geldautomat im SB-Bereich sowie die Service-Insel, die Kasse und ein Beraterbüro inklusive der mit Stoff überzogenen Stühle – mit dem Lack behandelt worden. “Für die Automatennutzung gibt es bisher keine Vergleichswerte”, macht Markus Haas deutlich, der bei der Gießener Sparkasse für den Einsatz von “Mundex” zuständig ist. “Wir brauchen aber unbedingt die Erfahrung für Touch-Geräte.” Bewährt sich die Beschichtung in den kommenden drei bis vier Wochen, will die Sparkasse sukzessive nachrüsten, auch an den frequenzstarken Anlaufstellen am Marktplatz und Berliner Platz. Regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden müssen die Geräte aber weiterhin. “Die Beschichtung dient als Grundschutz zwischen den Desinfektionszyklen”, stellt Schepers klar. Die Abnutzung wird regelmäßig mittels Schwarzlicht überprüft. Ist der Lack ab, muss nachgearbeitet werden. Der Munditech-Geschäftsführer rechnet mit einer Wirksamkeit von vier bis sechs Monaten.

Aufgetragen werden darf “Mundex” ausschließlich von dem kooperierenden Start-up “My Corona Care” aus Mainz. “Auch vor dem Hintergrund der Haftung”, wie Schepers betont. Nach acht Stunden Einwirkzeit ist der hauchdünne Lack durchgehärtet. Durch ein Siegel können Sparkassen-Kunden zukünftig erkennen, welche Geräte und Bereiche entsprechend behandelt worden sind.
Nachdem sich die Anfragen von Unternehmen häufen, soll die virenabtötende Beschichtung nun auch Privatkunden zugänglich gemacht werden, wie Schepers ankündigt. Der Onlineshop eines Vertriebspartners geht heute online.

Quelle: Sparkasse Gießen lässt Geldautomat mit Anti-Corona-Lack beschichten. Von Jasmin Mosel. 31.07.2020. Link: https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/sparkasse-giessen-lasst-geldautomat-mit-anti-corona-lack-beschichten_22025442

Ähnliche Beiträge